Früher war nicht alles besser, aber manches übersichtlicher. Es gab einen Telefonanbieter, zwei Fernsehsender und eine Hand voll Energieversorger. Doch die Welt hat an Komplexität gewonnen. Das stellt uns vor Herausforderungen – die Verbraucherinnen und Verbraucher, welche die neue Konsumvielfalt mal als Segen, mal als Überforderung empfinden, aber auch die Verbraucherschützer, die sich immer wieder fragen müssen: Wie weit darf guter Verbraucherschutz gehen? Wo stößt er an seine Grenzen, wo mündet er in Paternalismus?

Widerstand gegen sinnvolle Verbote

Diese Fragen sind berechtigt. Aber zu oft missbrauchen mächtige Interessenvertreter sie, um sinnvolle Regeln oder Verbote zu verhindern. „Sicherheit verkauft sich nicht“, hatte der damalige Volkswagen-Chef Kurt Lotz 1970 gesagt. Sechs Jahre später kam die Anschnallpflicht. Und obwohl eine farbliche Lebensmittelkennzeichnung nach dem Ampelsystem den Verbrauchern einen echten Mehrwert bietet und sich zum Beispiel in Frankreich bewährt hat, wehrt sich die deutsche Lebensmittelindustrie immer noch gegen ihre (verpflichtende) Einführung.

Oft verweisen Kritiker von Regeln auf das Konzept des „mündigen Verbrauchers“, der selber entscheiden solle, was für ihn am besten sei. Die moderne Verbraucherwissenschaft, ein Großteil der Politik und der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) haben dagegen ein deutlich differenzierteres Verbraucherbild. Den einen Verbraucher gibt es nicht, sondern viele. Zum Beispiel den vertrauenden, den verantwortungsbewussten oder den verletzlichen Verbraucher.

Vertrauender Verbraucher in der Altersversorgung

Ein verletzlicher Verbraucher muss zum Beispiel vor gefährlichen Inhaltsstoffen in Kosmetika oder dem Essen geschützt werden. Ein verantwortungsbewusster Verbraucher fordert Aufklärung über die Auswirkungen seines Konsumverhaltens, etwa mit Blick auf den Klimaschutz. Vertrauende Verbraucher wiederum sind wir, wenn wir einen Riester-Vertrag abschließen. Hier vertrauen Menschen darauf, dass solche Verträge sie für das Alter absichern und nicht in erster Linie der Versicherungsindustrie nutzen.

Wenn die Bundesregierung also private Altersvorsorge fördern möchte, dann muss sie das gut machen, nicht nur gut meinen. Insofern ist die Entwicklung bei Riester besorgniserregend. Eine Mehrzahl der Verbraucher würde laut repräsentativer Umfrage des vzbv gerne mehr fürs Alter vorsorgen. Aber sie misstrauen – zu Recht – den vielfältig teuren und ineffizienten Angeboten am Markt.

Vorbilder für versprochene Standardrente

Dass es anders geht, zeigt zum Beispiel Schweden. Hier gibt es einen öffentlichen Altersvorsorgefonds, der ohne unnötige Marketing- und Vertriebsprovisionen auskommt und dank einer kostengünstigen und klugen Anlagestrategie sehr rentabel ist. Ob sie ihn nutzen, bleibt den Schwedinnen und Schweden übrigens selbst überlassen. Sie haben die Möglichkeit, statt des öffentlichen Produkts auch ein oder mehrere private zu wählen. Die meisten bevorzugen aber das öffentliche Angebot. Der vzbv hat mit der Extrarente ein ähnliches Modell vorgeschlagen. Ziel ist es, Verbrauchern einen leichten Zugang zu einer Altersvorsorge zu geben, die sich für sie wirklich lohnt.

Im Koalitionsvertrag hatte Schwarz-Rot ein Standardprodukt zur Altersvorsorge versprochen. Das Thema Altersvorsorge ist komplex. Die Extrarente gibt darauf eine intelligente Antwort, im Sinne der Verbraucher.

Hinweis

Der Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im BaFinJournal wieder und wird nicht nachträglich aktualisiert. Bitte beachten Sie die Allgemeinen Nutzungsbedingungen.