Es gab bereits viele Untersuchungen darüber, wie es Warren Buffett gelingen konnte, über mehrere Jahrzehnte gegenüber dem S&P500-Index eine so hohe Überrendite zu erreichen. Oft beziehen sich diese Studien rein auf quantitative Aspekte. Beispiele dafür sind: Wie hoch war die Aktien-Volatilität beim Kauf, zu welchem Kurs-Gewinn- oder Kurs-Buchwert-Verhältnis kaufte er oder wie stark wuchsen die Unternehmen zum Kauf-Zeitpunkt?

Diese Näherungsweise ist jedoch verschwendete Zeit, denn Warren Buffett achtet auf fast keine der oben angeführten Variablen. Sein Erfolg kann nicht in eine Formel gepresst und einfach wiederholt werden. Um die Methode zu verstehen, müssen wir seinen Selektionsprozess kennen. Dazu gehören die folgenden Schritte.

1. Lesen, lesen und noch mehr lesen

Warren Buffetts eigentliche Arbeit besteht darin, jeden Tag mindestens fünf Zeitungen und Fachzeitschriften zu lesen. Hinzu kommen etliche Geschäftsberichte und Bücher. Er weiß deshalb genau, in welche Richtung sich die Welt entwickelt, welche Branchen Zukunft besitzen und welche langsam verschwinden. Ein sehr genauer Rundumblick ist also Warren Buffetts erstes Erfolgsrezept.

2. Vorher festlegen, welche Unternehmen attraktiv sind

Bevor Warren Buffett eine Firma oder Anteile daran erwirbt, kennt er deren Entwicklung, Stärken und Schwächen meist seit vielen Jahren.

Beispielsweise kannte er Coca-Cola (WKN: 850663) bereits mehrere Jahrzehnte, als er schließlich 1988 im großen Stil die Aktie kaufte. Er wusste um die hervorragende Marktstellung des Konzerns, kannte seine Produkte sowie deren Begehrtheit und war sich zudem sehr sicher, dass Coca-Cola auch noch zehn oder 20 Jahre nach seinem Kauf getrunken werden würde.

Lege also vor einem Kauf fest, welche Unternehmen du gern einmal im Depot halten möchtest und warum.

3. Auf die richtige Gelegenheit warten

Wie viele Leser bereits wissen werden, kauft Warren Buffett immer genau dann im großen Stil ein, wenn die große Masse der Bevölkerung aus dem Markt flieht. Während sie Crashs mehr als alles andere fürchten, nutzt er sie für günstige Einstiege.

Und sie treten immer wieder auf. Im Durchschnitt fällt der Markt alle zwei Jahre mindestens um mehr als 10 % und alle sechs Jahre sogar mehr als 25 %. Später erreicht er allerdings auch immer wieder neue Hochs.

Manchmal korrigieren die Aktien seiner Kaufkandidaten aber auch, ohne dass der Markt gleichzeitig einbricht. In diesen Situationen berechnet Warren Buffett den Inneren Wert seiner Kaufkandidaten und erinnert sich an seinen Lehrer Ben Graham, der zu ihm sagte: „Der Markt ist dazu da, dir zu dienen, nicht um dir Befehle zu geben.“

Wenn der Markt also eines Tages Buffetts Lieblingsaktien zu einer Bewertung anbietet, die er vorher festgelegt hat, schlägt er zu, und zwar im großen Stil. Er vergleicht das Investieren auch mit einem Baseball-Spiel, wenn er sagt: „Warte auf den richtigen Schlag.“

4. Langfristig dabeibleiben

Warren Buffett liegt auch in manchen Fällen daneben, wie die letzten Verkäufe seiner Airline-Aktien belegen. Wichtig ist nur, sich Fehler einzugestehen und zu verkaufen, wenn sich die Parameter zu weit in die falsche Richtung entwickelt haben.

Liegt er jedoch richtig wie bei Coca-Cola, Apple (WKN: 865985) oder Sees Candies, dann ist seine bevorzugte Haltedauer „für immer“. Diese einzelnen großer Gewinner bügeln alle zwischenzeitlichen Fehlgriffe mehr als aus. Es gibt sicherlich noch mehr Erfolgsfaktoren, aber dies sind zunächst die wesentlichen.

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Christof Welzel besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Apple.

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Author: Christof Welzel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

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