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Tesla macht Party, als ob 1999 wäre – das geht nicht gut aus

Wir müssen über die Aktie von Tesla (WKN: A1CX3T) sprechen. Die Wall Street und die Investoren möchten glauben, dass der freie Zugang zu Informationen auf Knopfdruck zu einem rationalen und vernünftigen Investitionsverhalten führt. Das funktioniert jedoch längst nicht immer so.

Schon damals im Jahr 1999, also mitten im Dotcom-Boom, hatten die Wall Street und die Investoren leichten Zugang zu Informationen. Doch die Investitionen im Jahr 1999 hatten anscheinend wenig mit dem zu tun, was in der Gewinn- und Verlustrechnung oder der Bilanz eines Unternehmens stand, sondern eher mit den Versprechungen über das Potenzial des E-Commerce. Infolgedessen konnten Investoren scheinbar einen Pfeil auf die Zeitung werfen und als Gewinner hervorgehen.

Im Nachhinein wissen wir natürlich, wie die Dotcom-Ära endete – und das war für Investoren alles andere als schön.

Die Tesla-Aktie ist in den Wahnwitz-Modus gegangen

Vorhang auf also für Tesla, den Hersteller von Elektrofahrzeugen, der in den letzten Tagen wie wahnsinnig abgegangen ist und offenbar die Zeiten um 1999 hochleben lässt. In den ersten Handelstagen im Februar stieg der Kurs der Tesla-Aktie um mehr als 50 %. Wenn man ein wenig weiter schaut, hat sich die Bewertung des Unternehmens innerhalb eines Monats verdoppelt und seit Ende Mai rund vervierfacht. Mit einer zwischenzeitlichen Marktkapitalisierung von 160 Mrd. US-Dollar ist Tesla größer als General Motors (WKN: A1C9CM), Ford (WKN: 502391), Fiat Chrysler Automobiles (WKN: A12CBU) und Honda Motor (WKN: 853226) zusammen … und es hätte immer noch einige Milliarden an Marktkapitalisierung übrig. Tesla ist jetzt der unbestrittene Primus unter den US-Autoaktien und auch nur einen Steinwurf davon entfernt, altbewährte Giganten wie McDonald’s, Nike und Netflix bei der Marktkapitalisierung zu übertreffen.

Da fragt man sich, was eigentlich hinter dieser monumentalen Rallye steckt. Ehrlich gesagt, meine Vermutung ist, dass die Wall Street die Antwort auf diese Frage nicht einmal kennt. Eine starke Möglichkeit ist einfach die Tatsache, dass Tesla etwas umsetzt, was seit mehr als fünf Jahrzehnten nicht gelungen ist. CEO Elon Musk hat seine Idee von Elektrofahrzeugen in ein praktikables Massenprodukt verwandelt. Es schadet wahrscheinlich nicht, dass das Model 3 auch im kürzlich berichteten vierten Quartal die Erwartungen übertroffen hat.

Tesla hat auch eine zweite Produktionsstätte in Shanghai, China, eröffnet. Da das Unternehmen für die Produktion nicht mehr ausschließlich auf die Anlage in Fremont, Kalifornien, angewiesen ist, geht Musk davon aus, dass Shanghai bei voller Auslastung der Kapazitäten für die Produktion von 150.000 Model-3-Limousinen pro Jahr verantwortlich sein wird. Tesla ist dabei, bis zum Jahresende die lokale Teilebeschaffung in seinem Werk in Shanghai zu organisieren, was die Margen deutlich verbessern dürfte.

Andererseits spielt bei der parabolischen Rally der Tesla-Aktie auch ein massiver Short-Squeeze mit. Es ist kein Geheimnis, dass Tesla das am meisten leerverkaufte börsennotierte Unternehmen ist und da die Verluste für Leerverkäufer nicht begrenzt sind, könnte der steigende Druck zum Eindecken diesen Aufwärtstrend nur noch verstärken.

Wir haben das alles schon einmal gesehen und Tesla-Aktionäre werden noch bluten müssen

Tatsache ist jedoch, dass die Geschichte uns lehrt, dass ein solcher Vorgang nicht nachhaltig ist. Wir wissen vielleicht nicht genau, auf welchem Niveau die Tesla-Aktie letztendlich ihr Allzeithoch finden wird, aber in der Folge wird es mit ziemlicher Sicherheit nicht gut für die Investoren ausgehen.

Das vielleicht größte Argument, das die Bullen zur Rechtfertigung dieser Rallye vorbringen, ist die Idee, dass Tesla mehr als nur ein Autokonzern ist. Optimisten nehmen an, dass man mit Tesla-Anteilen Technologie auf Rädern kauft. Dennoch gibt es einen fatalen Fehler in diesem Argument, der jede „Next Big Thing“-Investition plagt: Investoren überschätzen nämlich immer die Akzeptanz und die Auswirkungen neuer Technologien.

Nachdem das Internet erfunden wurde, rückte der B2B-Handel in den Vordergrund, das menschliche Genom wurde entschlüsselt, 3D-Drucker wurden populär und die Blockchain-Technologie tauchte auf – von alldem wurde erwartet, dass es unsere Lebensweise grundlegend verändern würde, und einige dieser Dinge haben dies irgendwann auch getan. Aber nichts von diesen potenziellen „Next Big Things“ aus dem letzten Vierteljahrhundert hat sich aus Investorensicht tatsächlich zu einer ganz großen Sache entwickelt — zumindest nicht am Anfang. Das soll nicht heißen, dass Elektroautos nicht die Zukunft wären, sondern vielmehr darauf hinweisen, dass das Wachstum des Marktanteils von Stromern im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren wahrscheinlich auf absehbare Zeit nicht so beeindruckend sein wird, wie ursprünglich angenommen.

Abgesehen davon, dass die Investoren den Reifegrad der neuen Technologien chronisch überschätzen, glaube ich, dass sie viel zu viel Vertrauen in die Hände von Elon Musk legen. Versteht mich nicht falsch, Elon hat eine bewundernswerte Arbeit geleistet, um Tesla in die Lage zu versetzen, das erste erfolgreiche Automobil-Start-up seit über 50 Jahren zu sein. Musk war jedoch in Bezug auf Startdaten und Produktionszahlen so übereifrig, dass es für Investoren schwierig geworden ist, seine Prognosen ernst zu nehmen. Da Teslas Bewertung parabolisch geworden ist, würde ich Musk mehr denn je als eine Belastung für sein Unternehmen betrachten.

Auch die Betriebsergebnisse des Unternehmens tun ihm weit weniger Gutes, als man vielleicht denken mag

Sicherlich, die Produktion steigt an und Tesla hat zum zweiten Mal in Folge einen Quartalsgewinn erzielt. Aber die Anwendung allgemein anerkannter Buchhaltungsprinzipien (GAAP) und die Streichung einer Reihe von vorteilhaften Einmaleffekten bringt die Wahrheit ans Licht: einen GAAP-Verlust von 862 Mio. US-Dollar, der den Aktionären im Gesamtjahr 2019 zuzuschreiben ist, was nur ein bescheidener Fortschritt gegenüber dem GAAP-Nettoverlust von 976 Mio. US-Dollar für das Gesamtjahr 2018 ist. Ohne die Hilfe von Steuergutschriften und dieser Sondereffekte sehen Teslas Geschäftsergebnisse weitaus weniger beeindruckend aus.

Schließlich glaube ich fest daran, dass Investoren Tesla letztendlich als das behandeln werden, was es ist: ein Start-up-Unternehmen, das weder etabliert noch bewährt ist. Trotz seiner Bewertung ist Tesla auf zahlreiche Produktionsprobleme gestoßen und Musks Vorstoß in die Solarindustrie durch die Übernahme von SolarCity war eine komplette Katastrophe. Dieses Unternehmen macht eine Menge Fehler und lernt dabei, weil es versucht, etwas noch nie Dagewesenes zu tun. Während dies eines Tages eine Bewertung von 160 Mrd. US-Dollar verdienen könnte, sollte eine solche Bewertung nicht für ein Unternehmen gewährt werden, das nicht einmal die Fähigkeit bewiesen hat, einen wiederkehrenden GAAP-Gewinn zu erzielen.

Um es noch einmal zu betonen: Ich versuche hier nicht auf den Zeitpunkt und den Kurs zu tippen, wo das Hoch erreicht wird — es geht mir lediglich darum, dass ich überzeugt bin, dass der Trend drastisch kippen wird.

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Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 10.02.2020 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Sean Williams hat keine Position in einer der genannten Aktien. The Motley Fool besitzt Aktien von und empfiehlt Netflix, Nike und Tesla.

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Author: Sean Williams

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