Das Thema Wasserstoff ist momentan omnipräsent – die alternative Antriebsmöglichkeit für viele Fahrzeuge und Maschinen gilt als Zukunftstechnologie. Die meisten Aktien der Unternehmen, die im Wasserstoff-Feld tätig sind, sind jedoch schon heißgelaufen. Titel wie Ballard Power (WKN: A0RENB) oder Nel (WKN: A0B733) sind eher als Small Caps und risikoreiche Werte zu bezeichnen und haben sich in den letzten Jahren vervielfacht. Aber gibt es nicht auch eine Möglichkeit, am Zukunftstrend teilzuhaben, ohne komplett ins Risiko zu gehen?

Weltmarktführer neu erfunden

Um es vorwegzunehmen: Ja, diese Möglichkeit gibt es und man muss dafür noch nicht einmal die eigene Heimat verlassen. Das deutsche Unternehmen Linde (WKN: A2DSYC), in München im 19. Jahrhundert gegründet, ist der Weltmarktführer im Bereich Industriegase und spezialisierte sich in den letzten Jahren immer mehr auf den Megatrend Wasserstoff.

Nach der Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair im Jahr 2018 hat das Unternehmen seinen Sitz inzwischen im irischen Dublin mit operativer Hauptzentrale in Guildford in Großbritannien und beschäftigt knapp 80.000 Mitarbeiter – durch die Internationalität ist Linde damit nicht nur im DAX und im Euro Stoxx 50, sondern auch im US-amerikanischen S&P 500 gelistet. Den Großteil des Umsatzes machte Linde 2019 in den USA (knapp 30 %), erzielt jedoch grundsätzlich seine Umsätze über den Globus verteilt, hauptsächlich noch mit der Produktion und dem Verkauf von Industriegasen.

Jedoch erwirtschaftet der Bereich Wasserstoff bereits einen Umsatz von knapp 2 Mrd. US-Dollar im Jahr, wie CEO Steve Angel im Handelsblatt-Interview im Mai erklärte, was bei einem prognostizierten Gesamtumsatz von knapp 27 Mrd. US-Dollar für 2020 bereits mehr als 7 % sind. Zudem rechnet Angel mit einer Vervierfachung dieses Betrages für die nächsten Jahre und will diesen Geschäftsbereich sukzessive weiter ausbauen. Diese Strategie lässt sich auch anhand verschiedener Akquisitionen von Wasserstoff-Spezialisten erkennen. So erwarb der DAX-Konzern alleine 2019 eine 10%ige Beteiligung am Schweizer Unternehmen Hydrospider und sogar 20 % am Unternehmen ITM Power aus Großbritannien.

Somit liegt der Fokus des Managements klar auf dem Ausbau des Wasserstoff-Geschäfts, basierend auf dem bereits stabilen Geschäft mit Industriegasen, und sollte sich auch für die Aktionäre auszahlen. Der Gewinn pro Aktie soll 2022 mehr als doppelt so hoch liegen wie 2019, trotz der Auswirkungen der Corona-Pandemie. Analysten sehen die Linde-Aktie ebenfalls positiv mit einem durchschnittlichen Kursziel, das knapp 13 % über dem momentanen Kurs liegt (Datum: 11.10.2020 für alle Angaben). So haben in der letzten Woche die Investmentbanken J.P. Morgan und UBS eine Kaufempfehlung ausgegeben.

Linde ist nicht der einzige Kandidat in Europa

In Europa versucht jedoch nicht nur Linde auf den boomenden Trend Wasserstoff aufzuspringen. Der französische Konzern Air Liquide (WKN: 850133) stellt ebenfalls technische Gase her, diversifiziert sein Produktportfolio jedoch neben der Industrie auch auf verschiedene Bereiche wie Medizin und Umweltschutz. Während das Unternehmen im Bereich Industriegase hinter Linde liegt, besitzt es in den beiden anderen Bereichen mehr Marktanteile als der DAX-Konzern – gemessen am Gesamtumsatz ist Air Liquide jedoch das kleinere Unternehmen. Der französische EuroStoxx-Konzern beschäftigt circa 66.000 Mitarbeiter und besitzt dabei eine ähnliche geografische Umsatzverteilung wie Linde.

Auch Air Liquide investiert sehr viel in den Bereich Wasserstoff, ein Beispiel ist hier der Betrieb von „Wasserstoff-Tankstellen“ in Kombination mit Linde, Total und anderen Unternehmen, oder ein gemeinsames Projekt mit dem Hafen Rotterdam, um 1.000 Lkws mit Wasserstoff zu betreiben. Auch hier sind Analysten positiv gestimmt, sodass der Großteil Kaufempfehlungen ausspricht, wobei die Banken Goldman Sachs und UBS das Kursziel im Oktober leicht gesenkt haben.

Zusammenfassung

Wasserstoff ist unbestritten eines der spannendsten Themen für das kommende Jahrzehnt. Unabhängig von der Machbarkeit der Antriebstechnologie für Automobile könnte die ökologische Antriebsform besonders für größere Fahrzeuge und Industrieanlagen interessant sein und bisher umweltschädliche Produktionsprozesse dekarbonisieren – und in Voraussicht einer CO2-Steuer somit nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Kosten der Unternehmen senken.

Wer von diesem Prozess profitieren möchte, muss aber nicht zwangsläufig auf kleinere, hoch bewertete Unternehmen zurückgreifen, sondern kann auch auf etablierte Marktführer zurückgreifen. Bei Linde und Air Liquide kann man vom Wasserstoff-Trend profitieren und gleichzeitig das bestehende „Gas-Geschäft“ als Sicherheit verwenden. So fällt die Rendite womöglich etwas geringer aus, aber das Risiko ist ebenfalls deutlich geringer.

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Christoph Püllen besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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Author: Christoph Püllen, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

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