Auch wenn es für viele Investoren nicht vorstellbar ist: Royal Dutch Shell (WKN: A0D94M) kürzt erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg seine Dividende. Motley-Fool-Leser konnten darüber schon am 22. April. 2020 mehr erfahren.

Hohe Dividendenrenditen sind häufig eine Falle

Insgesamt wird nun die Quartalsdividende von 0,47 auf 0,16 US-Dollar je Aktie oder etwa 0,147 Euro Je Aktie gesenkt. Auf das Jahr hochgerechnet, entspricht die Ausschüttung zu heutigen Kursen einer Dividendenrendite von 3,62 % (30.04.2020). Dieser Schritt war absehbar, weil die Ausschüttung über einen längeren Zeitraum immer der operativen Entwicklung folgt.

Zudem sind sehr hohe Dividendenrenditen häufig eine Illusion oder nur ein Lockmittel. Anleger sollten in diesen Fällen immer skeptisch werden und das Unternehmen genau untersuchen. Häufig gibt es dann einen Haken, etwa eine sehr starke Konjunkturabhängigkeit oder ein ansonsten schlecht laufendes Geschäft. Moderate Dividendenrenditen sind häufig die besseren Indikatoren für solide Unternehmen, die dann meist stetig im Kurs steigen.

„Im März haben wir entscheidende Maßnahmen ergriffen, um unsere Ausgaben zu reduzieren, unsere Liquidität zu erhöhen und unser Unternehmen so zu positionieren, dass es mit den sich verschlechternden makroökonomischen und Rohstoffpreisaussichten umgehen kann. Unser integriertes Geschäftsmodell, die hohe Qualität unserer Vermögenswerte und der Einfallsreichtum unserer Mitarbeiter haben es uns ermöglicht, schnell zu reagieren.

Angesichts der anhaltenden Verschlechterung der makroökonomischen Aussichten und der erheblichen mittel- und langfristigen Unsicherheit werden wir weitere umsichtige Schritte unternehmen, um unsere Widerstandsfähigkeit zu stärken, die Stärke unserer Bilanz zu untermauern und die langfristige Wertschöpfung zu sichern. Ab diesem Quartal hat der Vorstand beschlossen, unsere Quartalsdividende auf 16 US-Cent pro Aktie zu senken“, so der Vorstandsvorsitzende Ben van Beurden.

Der Ölpreisverfall ist derzeit historisch. Zuletzt fiel der Kurs an den Terminmärkten sogar in den Negativbereich, was bedeutet, dass Verkäufer am Ende Käufern für die Abnahme ihrer Ware (Öl) Geld bezahlen mussten.

Shell muss Rückgang verkraften  

Insgesamt musste Shell im ersten Quartal 2020 einen Verlust in Höhe von 24 Mio. US-Dollar ausweisen. Ohne Sondereffekte lag das Ergebnis bei 2.860 Mio. US-Dollar und damit 46 % unter dem Vorjahr. Positiv ist der operative Cashflow, der mit 14.851 Mio. US-Dollar 72 % über dem Vorjahr lag. Ohne Sondereffekte fiel aber auch er auf 7,4 Mrd. US-Dollar und somit unter den Vorjahreswert. Der Umsatz sank insgesamt um 28,3 %. Der größte Verlust entstand im Upstreamgeschäft, das einen Quartalsverlust in Höhe von 863 Mio. US-Dollar auswies.

Aufgrund der geringeren Nachfrage hat Shell seine Raffinerien um 40 % heruntergefahren. Das Lake Charles LNG Projekt wird in Folge der aktuellen Marktbedingungen nicht fortgesetzt. In Australien hat sich Shell dagegen final für das Surat-Gasfeldprojekt entschieden, das später jährlich bis zu 90 Mrd. Kubikfuß Gas fördern wird. Im Ölsegment veräußerte der Konzern seine Martinez-Raffinerie für 1,2 Mrd. US-Dollar an PBF Energy (WKN: A1J9SG).

Es könnte noch schlimmer kommen

Die aktuelle Entwicklung könnte eine Zeitenwende einleiten, denn zukünftig wird in den Industrieländern aufgrund der zunehmenden Elektroautos und der Energiewende sehr viel weniger Öl benötigt werden. Dies ist Shells langfristiges Problem, dass es mit neuen Projekten auszugleichen versucht.

Kurzfristig könnte die aktuelle Viruskrise den Konzern zu noch härteren Einschnitten zwingen. Besonders wenn wie derzeit immer noch mehr Öl gefördert als nachgefragt wird und es somit stark im Wert sinkt. Zudem laufen langsam die Lager voll, sodass tatsächlich am Ende die Ölförderung gestoppt werden könnte. Dies wäre für Shell und andere Ölfirmen sehr bedrohlich.

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Christof Welzel besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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The Motley Fool
Author: Christof Welzel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

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