Alle Augen sind derzeit auf den Goldpreis gerichtet. Nach dem frischen Allzeithoch muss eine Entscheidung getroffen werden: Geht die Rekordjagd weiter oder ist die Party erst mal vorbei?

Gründe gäbe es für beide Szenarien genug. Für weitere Rekorde spricht die zunehmend lockere Geldpolitik der US-Notenbank. Doch es gibt auch Anzeichen für eine Übertreibung, die sich schon bald in einen ausgeprägten Bärenmarkt verwandeln könnte.

Fundamental stark

Im Monat September ist der Goldpreis für gewöhnlich gut gelaunt. In der Zeit von Mitte September bis Ende September sind – historisch betrachtet – die größten Preisanstiege zu beobachten.

Die Gründe dafür sind schnell gefunden. Zum einen dürfte das Edelmetall von der saisonalen Schwäche am Aktienmarkt profitieren. Für den DAX ist der Monat September – im Durchschnitt – der mit Abstand schwächste Monat.

Zum anderen steht Weihnachten vor der Tür. Ganz zu schweigen von der indischen Hochzeitssaison. Höchste Zeit für Schmuckhersteller, um sich mit Gold einzudecken.

Rückenwind erhält das Edelmetall derzeit zusätzlich auch von der US-Notenbank. Zuletzt wurde das fixe Inflationsziel von 2 % aufgegeben. Stattdessen wird nun ein „flexibles Inflationsziel“ bevorzugt.

Das klingt auf den ersten Blick nicht weiter tragisch. Doch paranoide Goldinvestoren werden das vermutlich anders interpretieren. In deren Ohren klingt der Plan der US-Notenbank nach einem Freifahrtschein für Inflationsraten, die kurz- bis mittelfristig deutlich über 2 % liegen werden. Ein Heimspiel für den Goldpreis.

Goldpreis (mal wieder) am Ende?

Doch der Goldpreis kennt nicht nur eine Richtung. Auch wenn derzeit fundamental alles für neue Rekorde spricht.

Erfahrene Gold-Investoren werden sich gut an das Hoch 2011 erinnern. Bei etwa 1.900 US-Dollar war Schluss. Ab da drehte der Goldpreis in einen langen und qualvollen Bärenmarkt ab. Am Ende kratzte der Goldpreis beinahe an der Marke von 1.000 US-Dollar.

Der Preisverfall erstreckte sich über einen Zeitraum von beinahe zehn Jahren. In diesem Zeitraum mussten Gold-Investoren mit ansehen, wie der Aktienmarkt beinahe jährlich neue Rekorde aufstellte. Auch Erzrivale Bitcoin machte viele Investoren reich.

Erst im Juni 2019 war das Selbstvertrauen zurück. Die Goldpreis-Rakete zündete mit Anlauf. Diejenigen, die den langen Bärenmarkt überwintern konnten, waren wieder im Geschäft.

Im August 2020 war bei etwas über 2.000 US-Dollar Schluss. Zeit für eine Bestandsaufnahme.

Seit dem Zwischentief im Jahr 2016 hat sich der Goldpreis beinahe verdoppelt. Allein im Jahr 2020 steht ein Plus von rund 40 % inklusive neuem Rekordhoch auf dem Zettel (Stand für alle Zahlen: 15.09.2020).

Gleichzeitig wetten kleine und große Spekulanten auf eine Fortsetzung der Rekordjagd. Insbesondere die Großspekulanten halten ihre Wetten auf einen Anstieg beim Goldpreis auf einem konstant hohen Niveau (Stand: 08.09.2020). Das zeigen die Daten vom US-Terminmarkt, die allwöchentlich im CoT-Bericht veröffentlicht werden.

Wer sich die Historie der Großspekulanten am US-Terminmarkt genauer anschaut, wird allerdings feststellen, dass diese Klientel eher selten ein gutes Händchen für den Goldpreis hat. Kurz vor dem Bärenmarkt ab 2011 waren die Damen und Herren Großspekulanten genauso optimistisch wie jetzt. Erst Ende 2018 kippte die Stimmung endgültig. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt. Kaum waren die Großspekulanten netto im Minus positioniert, zündete die Goldpreis-Rakete in Richtung Allzeithoch.

Die Chancen stehen gut, dass die Großspekulanten auch jetzt wieder auf das falsche Pferd setzen. Das würde wiederum gegen eine Fortsetzung der Rekordjagd beim Goldpreis sprechen.

Gold: Kann man kaufen, muss man aber nicht

Gold ist eine komplizierte Sache. Das Edelmetall kann nicht viel, außer selten sein.

Ja, hier und da hat es einen Gastauftritt in der Industrie. Oder man hängt es sich um den Hals.

Trotzdem bleibt der Goldpreis insgesamt ein Rätsel. Wer will eine Vermögensklasse halten, die gerne mal über einen Zeitraum von zehn Jahren abwertet und nicht einmal verlockende Dividenden ausschüttet?

Der jüngste Rekord zeigt, dass sich das Warten durchaus lohnen kann. Doch auch die Angst vor einem neuen Schwenk in Richtung Bärenmarkt ist nicht unberechtigt. Die zuverlässig desaströse Fehleinschätzung der Großspekulanten an den US-Terminmärkten macht derzeit wenig Hoffnung.

Ich lasse bis auf Weiteres die Finger vom Gold. Indische Hochzeitssaison hin oder her.

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Author: Stefan Naerger, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

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