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Erreicht die Tesla-Aktie dieses Jahr wirklich noch einen Kurs von 550 Euro?!

Erst kürzlich konnte die Aktie von Tesla (WKN: A1CX3T) erneut einen kräftigen Aufwärtsschub genießen, als die chinesische Regierung zu erkennen gegeben hat, dass es nicht geplant sei, die Subventionen für die Branche (E-Mobilität) im neuen Jahr so stark zu senken wie im Vorjahr. Das steht aller Wahrscheinlichkeit nach im Zusammenhang mit den neulich publizierten Produktions- und Absatzzahlen für Fahrzeuge im vierten Quartal von Tesla – doch dazu kommen wir in einem Moment noch im Detail.

Einem Bericht des „Manager Magazins“ zufolge erwies sich auch ein positiver Analystenkommentar als Kurstreiber für die Tesla-Aktie. Der Analyst Colin Rusch von Oppenheimer & Co. sieht offenbar ein Kurspotenzial von bis zu 612 US-Dollar. Rechnet man den Betrag zum aktuellen Zeitpunkt (15.01.2020) in Euro um, kommt man auf ein Kursziel von 550 Euro. Durchaus ein ambitioniertes Kursziel, vor allem wenn man bedenkt, dass die Aktie von Tesla bereits zum Beginn des neuen Jahres ordentlich zugelegt hat.

Von einem Schlusskurs von etwa 384 Euro am 02.01.2020 schoss die Aktie mittlerweile bereits um gute 25 % nach oben und schloss am 14.01.2020 mit einem Kurs von etwa 482 Euro – und weist dadurch bereits eine Marktkapitalisierung von über 87 Mrd. US-Dollar (Stand: 15.01.2020) auf. Damit hat der Autohersteller aus Kalifornien in etwa das Börsengewicht von Volkswagen erreicht, dem größten europäischen Automobilhersteller und einer der größten weltweit.

Während Volkswagen operative Ergebnisse in Milliardenhöhe aufzuweisen hat, kämpft Tesla nach wie vor mit dem Weg in die nachhaltige Profitabilität. Der Kurs der Tesla-Aktie scheint derart aufgebläht, dass eine größere Korrektur unvermeidlich scheint. Es ist klar, dass an der Börse die Zukunft gehandelt wird, aber ich glaube einfach nicht, dass Tesla alle anderen weltweiten Autohersteller überholen wird und in diese Bewertung hereinwachsen kann.

Nichtsdestotrotz möchten wir untersuchen, ob das Kursziel von Colin Rusch im Kontext der Tesla-Aktie realistisch erscheint, und werfen daher sowohl einen Blick auf die neuen Produktions- und Absatzzahlen als auch auf Neuigkeiten zur Gigafactory in Berlin.

Rekordproduktion im vierten Quartal

Zum vierten Quartal vermeldete Tesla eine Rekordproduktion. So wurden fast 105.000 Fahrzeuge gefertigt und rund 112.000 Fahrzeuge ausgeliefert, was laut Tesla auch einen Rekord darstellt. Zusammengenommen hat man also im Jahr 2019 bei Tesla rund 367.500 Fahrzeuge ausgeliefert – das sind etwa 50 % mehr als im Vorjahr und entspricht der Firmenprognose.

Gut, ein 50%iges Wachstum ist durchaus sehenswert und sorgt bei Tesla-Bullen sicherlich für Euphorie – doch werden auch die absoluten Absatz- und Produktionszahlen in Zukunft stark steigen müssen, um die Bewertung des Unternehmens zu rechtfertigen.

Der Grund, weshalb die bereits erwähnten Neuigkeiten aus China den Kurs womöglich positiv beeinflussen konnten, liegt in der Fokussierung von Tesla auf die Produktion in der neuen Gigafactory in Schanghai. Gemäß Tesla wurden bereits 1.000 verkaufsfähige Kundenautos hergestellt, obwohl der erste Spatenstich vor weniger als zwölf Monaten gemacht wurde. Die Produktionsleistung soll nun bei mehr als 3.000 Einheiten pro Woche liegen. Hier erhoffen sich Elon Musk und seine Anhänger große Absatzmöglichkeiten.

Die Gigafactory in Berlin

Die Gigafactory Berlin soll wohl die Stellung von Tesla im europäischen Raum stärken und natürlich auch zu Kostensenkungen führen, indem man sich beispielsweise Transport- und Zollkosten spart. Im Juli 2021 soll das Werk den Betrieb aufnehmen, doch zuvor müssen erst 155 Hektar Wald abgeholzt werden. Durchaus eine straffe Zeitplanung, die wohl zum Teil seine Tribute fordert.

Zumindest im ersten Bauabschnitt wird der US-Elektroautohersteller auf eine eigene Ökostromproduktion (Solardächer) verzichten und auch die Fertigung von Lithium-Ionen-Batteriezellen steht nicht auf dem Plan. Das steht im Widerspruch zur Gigafactory in Nevada, wo genau diese zwei Komponenten signifikant zur Kosteneinsparung beitragen sollen.

Sobald die Gigafactory vollständig gebaut worden ist, sollen jährlich bis zu 500.000 Einheiten produziert werden. Dabei sollen das Model 3, das Model Y und zukünftige Modelle in Berlin vom Band rollen. Die Zukunft wird zeigen, ob Tesla sich in Brandenburg profilieren kann. Jedoch wird die Produktion wohl nicht so CO2-arm laufen, wie zunächst angekündigt. Ein trübes Bild für einen selbst ernannten Vorreiter in Sachen ökologischer Nachhaltigkeit.

Fazit

Versteh mich nicht falsch: Das Konzept von Tesla und auch die Autos finde ich sogar interessant. Vielleicht werde ich mir eines Tages sogar aus Kundensicht einen Tesla näher ansehen. Doch als Investor möchte ich bei Tesla zu den aktuellen Umständen nicht einsteigen. Die Bewertung schreit für mich förmlich nach einer Korrektur und zu oft werden die traumhaften Ambitionen doch nicht erfüllt oder treten erst später als prognostiziert ein.

Sollte Tesla weiterhin rosige Zukunftsprognosen herausgeben, höhere Absatz- und Produktionszahlen liefern und etwas profitabler werden, könnte der kurz- oder mittelfristige Kurs der Tesla-Aktie tatsächlich bei 550 Euro ankommen. Doch ob der Kurs aus langfristiger Perspektive dort verweilen wird, ist für mich eher zweifelhaft.

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Caio Reimertshofer besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla.

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Author: Caio Reimertshofer, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

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