Die Aktie von Gazprom (WKN: 903276) ist in diesen Tagen mal wieder Thema. Neben der geplanten Fertigstellung des wichtigen EU-Projektes Nord Stream sind es es außerdem die günstige Bewertung und die Dividendenvorzüge, die hier Schlagzeilen machen. Letzteres könnte in den kommenden Jahren womöglich noch weiter ausgebaut werden.

Definitiv ausbaufähig, oder besser, weil präziser formuliert, ausgebaut sind des Weiteren auch die Aussichten, die der russische Erdgaskonzern hat. Neben dem bekannten und immer wieder in den Schlagzeilen stehenden Projekt Nord Stream 2 existieren nämlich weitere Projekte, die sich in einer finalen Phase befinden. Und die der Dividendenperle absatztechnisch gewiss auf die Sprünge helfen können.

China im Fokus

Wie mehrere Nachrichtenagenturen, unter anderem die DPA, in diesen Tagen nämlich berichteten, dürfte insbesondere eine wichtige Pipeline in östliche Richtung vor einer Fertigstellung sein. Sila Sibiri, was übersetzt so viel bedeutet wie Kraft Sibiriens oder in der internationalen Presse als Power of Siberia bezeichnet, steht demnach vor der Fertigstellung. Hierbei handelt es sich um ein bedeutendes Projekt, das womöglich eine noch größere Tragweite besitzt als das EU-Projekt, auch wenn das politisch nicht so heiß diskutiert worden ist.

Am 2. Dezember soll diese Pipeline demnach in Betrieb gehen und sowohl Chinas Präsident als auch der russische Premier werden per Videoschalte an einer Zeremonie zur Eröffnung dieser Pipeline teilnehmen. Die Kosten sollen rund 55 Mrd. US-Dollar betragen haben; im Vergleich zu Nord Stream 2, die rund 9,5 Mrd. Euro gekostet hat, ist das gewiss eine bedeutend andere Dimension, hinter der entsprechend auch ein ähnlich großes Vertragswerk steht.

Das Vertragsvolumen für die kommenden 30 Jahre beläuft sich demnach auf rund 400 Mrd. US-Dollar und Russland wird künftig ein wichtiger Erdgaslieferant für das Reich der Mitte sein. Einer wichtigen und insbesondere wachsenden Volkswirtschaft, deren Hunger jedoch möglicherweise nicht gestillt ist. Bereits im Dezember könnte es daher einen ersten, großen Grund zum Feiern geben, wenn dieses Großprojekt in Betrieb genommen wird, ganz ohne große Diskussion und politische Einmischung vieler Akteure.

Türkei ebenfalls im Blick

Neben diesem wichtigen Meilenstein dürfte es bereits zu Anfang des kommenden Jahres allerdings einen weiteren Meilenstein geben. Zu diesem Zeitpunkt wird nämlich aller Voraussicht nach ein weiteres gigantisches Projekt fertiggestellt sein. Unter dem Arbeitstitel Turkish Stream eröffnet es dem Erdgaskonzern natürlich, wie könnte es in Anbetracht des Namens auch anders sein, absatztechnisch den türkischen Markt.

Allerdings nicht bloß das. Derzeit wird bereits darüber spekuliert, ob Turkish Stream noch ausgebaut werden könnte. Demnach mutmaßen einige Marktbeobachter, dass eine weitere Abzweigung, die bereits vor einigen Jahren unter dem Namen South Stream diskutiert worden ist, ins Leben gerufen wird. Mit einem solchen Projekt könnte Russland künftig Serbien erreichen, wobei Bulgarien als Transitstaat fungieren würde.

Dass Turkish Stream baldig fertiggestellt wird, scheint somit ausgemachte Sache zu sein, jedoch könnte auch dieses Projekt durch Spekulationen eine neue, spannende Wendung bekommen. Wobei hier wohl noch eher die Gerüchteküche brodelt, was allerdings nicht unbedingt weniger interessant ist.

Es läuft bei dem Erdgaskonzern

Auch wenn die aktuelle Situation rund um Nord Stream 2 daher lange verfahren zu sein schien, lief es bei zwei wichtigen Großprojekten munter weiter. Sowohl Power of Siberia als auch Turkish Stream werden neben dem EU-Projekt in naher Zukunft realisiert, die Türkei-Pipeline könnte außerdem noch einen weiteren Abzweig bekommen. Absatztechnisch könnte der russische Konzern somit vor einer goldenen Zukunft stehen.

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Author: Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst