Jetzt also der digitale Euro: Dass Staaten sich daran versuchen, eine digitale Version ihrer Währung oder gar eine eigene Kryptowährung zu etablieren, ist nichts Neues. Wir kennen den Petro aus Venezuela, den CryptoRuble aus Russland und den digitalen Renminbi (DCEP).

Mit Euroland wirft ein weiteres Schwergewicht seinen Hut in den Ring und es kommt unweigerlich die Frage auf, was diese Entwicklung für die Welt der digitalen Zahlungsmittel bedeutet – insbesondere für bisherige Protagonisten wie Bitcoin und PayPal (WKN: A14R7U).

Die Suche nach einem Zahlungsmittel für das 21. Jahrhundert

Damit eine Währung funktionieren kann, müssen mehrere Kriterien erfüllt sein. Dazu gehören ausreichende Fälschungssicherheit, eine gute Feinkörnigkeit und eine zumindest lose Bindung der Geldschöpfung an die Güterproduktion zur Sicherung der Wertstabilität. Viele Menschen schätzen auch die Möglichkeit, Bargeld völlig anonym verwenden zu können, ohne dass eine zentrale Stelle Buch darüber führt.

Zu den Nachteilen des Bargelds gehört, dass es schlecht geeignet ist, um Dinge zu bezahlen, die von weither kommen. Es ist mit Entwicklungen des 21. Jahrhunderts wie E-Commerce und Cloud nicht wirklich kompatibel.

Wir behelfen uns notgedrungen mit verfügbaren digitalen Zahlungssystemen wie PayPal, Giro-Überweisungen und dem Einsatz von Debitkarten. Diese taugen zwar recht gut dafür, auch grenzüberschreitend Waren und Dienstleistungen zu bezahlen. Doch die Tatsache, dass Privatunternehmen an den Zahlungsströmen sitzen, kontinuierlich ihre Marge abgreifen und über alles Buch führen, kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein.

Manche hegen auch die Hoffnung, dass der anarchische Bitcoin sich eines Tages zum globalen Standard für Zahlungen entwickelt. Doch solchen Cryptos mangelt es neben weiteren Nachteilen an Wertstabilität. Und die dezentral organisierte Blockchain ist aus logischer Sicht auch eine zentrale Instanz, die über jede Transaktion Buch führt.

Könnte also ein digitaler Euro für Abhilfe sorgen?

Was die Europäische Zentralbank vorhat

EZB-Präsidentin Christine Lagarde möchte das Eurosystem auf die Einführung eines digitalen Euro vorbereiten. Sie sieht das Vorhaben als eine Art Risikovorsorge. Falls das Bankensystem versagen sollte und die traditionelle Bargeldversorgung über Geldautomaten versagt, dann könnte ein digitaler Euro nützlich sein, um den Zahlungsfluss am Laufen zu halten.

Als weitere Motivation nennt sie, dass Euroland nicht hinter konkurrierenden Währungsräumen zurückbleiben darf. Noch bedenklicher bewertet sie private Zahlungssysteme, die seit einiger Zeit versuchen, sich weltweit zu etablieren. Sie hat dabei wohl vor allem Zahlungssysteme wie Ripple und Facebooks (WKN: A1JWVX) Libra im Blick, die eigene Digitalwährungen verwenden.

Daneben weist die EZB darauf hin, dass die Bedürfnisse der Verbraucher einem schnellen Wandel unterworfen seien. „Technologie und Innovation verändern die Art und Weise, wie wir konsumieren, arbeiten und interagieren“, so Fabio Panetta, Vorsitzender der Taskforce für den digitalen Euro.

Der Euro bietet „einen freien Zugang zu einem einfachen, allgemein akzeptierten, risikofreien und verlässlichen Zahlungsmittel“. Man braucht dafür weder ein Konto noch eine Mitgliedskarte oder Passwörter. Das Ziel lautet, möglichst viel davon auch auf die digitale Variante zu übertragen. Leicht wird das nicht, denn wie auch immer die technische Umsetzung sein wird, werden an gewissen Stellen Kompromisse erforderlich sein.

Deshalb wird die Taskforce zunächst ausloten, was möglich ist. Noch ist keine Entscheidung gefallen, ob der digitale Euro kommt. Doch wenn ja, dann ist noch offen, ob und wie Technologien wie Blockchain und Kryptografie zum Einsatz kommen. Sicher ist jedoch, dass ein digitaler Euro in einen normalen Euro 1:1 konvertierbar sein wird.

Der Euro als Währung der Cloud: Was das für Bitcoin und PayPal bedeuten könnte

Bitcoinartige Wertschwankungen gegenüber dem normalen Euro sind damit ausgeschlossen. Andersherum wird das Thema Inflationsschutz, das Bitcoin-Fans gerne anführen, beim digitalen Euro keine Rolle spielen. Dass Bitcoin sich zukünftig zu einem praktikablen Zahlungsmittel entwickelt, wird zwar immer unwahrscheinlicher, aber zur Wertaufbewahrung taugt er genauso gut oder schlecht wie zuvor.

Ein Nachteil der bestehenden digitalen Zahlungssysteme ist, dass sie keine eigenständige Geldschöpfung betreiben, wenn man vom dumpfen „Schürfen“ bei Bitcoin und Co. absieht, das völlig von der Realwirtschaft abgekoppelt ist. Wer bei PayPal oder auch den dollargebundenen Stablecoins wie Tether oder Binance USD mitmachen will, der muss erst einmal Geld eintauschen oder zugänglich machen.

Wenn ein digitaler Euro Erfolg haben will, dann muss er diesen Medienbruch obsolet machen:

Ein digitaler Euro braucht eine digitale cloudbasierte Wertschöpfung mit einem Ökosystem aus Cloud-Banken sowie Cloud-Unternehmen als Kreditnehmer.

Wenn diese Einbettung elegant gelingt, könnte sich der Digitaleuro von privaten Zahlungsverfahren positiv abheben. Da zudem alle öffentlichen Institutionen in Euroland zur Akzeptanz verpflichtet werden können, würde er sofort durchstarten können.

Wer braucht dann noch PayPal und die zig anderen privaten Zahlungssysteme? Im Alltag wahrscheinlich nur wenige. Dennoch darf man die Innovationskraft der Fintechindustrie nicht unterschätzen. Selbst wenn der digitale Euro eines fernen Tages ein großartiger Erfolg wird – was noch längst nicht sicher ist –, dürften diese Nischen finden, um ihre Relevanz zu bewahren.

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Ein E-Euro würde auch gut zu Cloudspielen und E-Sports passen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien und keine Kryptowährungen. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Facebook und PayPal Holdings und empfiehlt die folgenden Optionen: Long January 2022 $75 Call auf PayPal Holdings.

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Author: Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

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