Halbleiterausrüster markieren neue Hochs

Man könnte meinen, dass die globale Abkühlung die Aktien von Halbleiterausrüstern herunterprügeln würde. Diese Unternehmen stellen die Maschinen her, die zur Produktion hochinnovativer Chips gebraucht werden. Doch tatsächlich ist das Gegenteil eingetroffen: Viele dieser Aktien erreichten in den letzten Wochen 52-Wochen- oder sogar Allzeithochs.

Darunter fallen ASML Holding (WKN: A1J4U4), KLA Tencor (WKN: 865884), Applied Materials (WKN: 865177) und Lam Research (WKN: 869686). Auch Taiwan Semiconductor Manufacturing (WKN: 909800), die größte Foundry der Welt und somit Abnehmer ebendieser Maschinen, ist ordentlich gestiegen. Wie du sehen kannst, haben alle diese Aktien den Markt im letzten Jahr übertroffen – trotz der starken Verluste im Dezember und des Handelskriegs.

Gesamtrenditen über ein Jahr. Daten von YCharts

Während sich die Rhetorik der USA und Chinas nicht gerade entspannt, sieht es so aus, als wollten beide Länder unbedingt zu Führern bei der 5G-Technologie werden. Taiwan Semis Management nannte hierzu in seiner kürzlichen Analystenkonferenz zum dritten Quartal einige hochinteressante Zahlen.

Vollgas bei den Investitionen

In seinem Quartalsbericht kündigte Taiwan Semiconductor an, seine Sachinvestitionen in diesem Jahr um satte 40 % anzuheben. Noch mal zur Erinnerung: Das Unternehmen ist der größte Halbleiterauftragsfertiger und stellt Chips für viele der führenden Halbleiterunternehmen her, die selbst keine eigenen Fertigungsstätten haben. Ursprünglich rechnete das Unternehmen damit, dieses Jahr 10 bis 11 Milliarden Dollar in Sachanlagen zu investieren. Doch das Management hob diese Zahl nun auf 14 bis 15 Milliarden an, 2020 soll es genauso aussehen.

Warum dieser Anstieg? Für die hochinnovativen Chips, die in 5G-Mobilgeräten und Funkantennen eingebaut werden, sieht Taiwan Semi große Nachfrage – viel mehr als ursprünglich erwartet. Dem Management zufolge werden 1,5 Milliarden Dollar der erhöhten Sachinvestitionen auf die 7-Nanometer-Technologie entfallen – das sind die Chips, die aktuell auf den Markt kommen. Die anderen 2,5 Milliarden Dollar sind für die 5-Nanometer-Chips reserviert, die im nächsten Jahr erscheinen. Diese Nanometer-Distanz bei Halbleiterprodukten steht für den Abstand zwischen zwei Transistoren. Je kleiner diese Distanz, desto mehr Transistoren kann man auf einen Chip packen, wodurch dieser leistungsstärker wird.

Das Management sagte: „Seit Mitte dieses Jahres sehen wir eine Beschleunigung bei der 5G-Entwicklung weltweit. Das wird die Einführung und Installation von 5G-Technik in Smartphones auf der ganzen Welt beschleunigen.“

Der Konzern erwartet nun, dass die 5G-Einführung noch schneller vonstattengehen wird als es bei 4G der Fall war. 5G-Handys könnten im nächsten Jahr zwischen 10 und 20 % Marktanteil erreichen; zuvor war Taiwan Semi von einem mittleren einstelligen Marktanteil ausgegangen.

Kleinere Chips brauchen größere Anlagen

Zunehmende 5G-Nachfrage führt demnach zu steigender Nachfrage für kleinere Chips. Diese werden jedoch immer schwieriger herzustellen: Je kleiner der Chip, desto mehr Produktionsschritte werden benötigt. Das ist der Grund, weshalb alle der genannten Halbleiterausrüster derart starke Nachfrage erfahren. Vor allem die EUV-Technologie von ASML Holding ist entscheidend, um 7-Nanometer-Chips und noch kleinere Architekturen fertigen zu können. Nicht ohne Grund ist die ASML-Aktie im letzten Jahr so stark gestiegen, und nicht ohne Grund wird es zu einem höheren Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) gehandelt.

TSM PE Ratio (TTM) Chart

KGVs über ein Jahr. Daten von YCharts

Ein weiterer Favorit ist KLA-Tencor, das Geräte zur Produktionsüberwachung herstellt, die Wafer und Masken auf Produktionsfehler überprüfen. Solcherlei Diagnostik wird bei schrumpfenden Transistoren immer wichtiger, da eine extreme Exaktheit nötig ist, um die winzigen Strukturen fehlerfrei und in Massen zu produzieren.

Zwar haben die Aktien der großen Halbleiteraktie schon gute Läufe hinter sich, doch die großen technologischen Trends werden sich in nächster Zeit nicht in Luft auflösen. Eine globale Rezession wird das Wachstum dieser Unternehmen zwar bremsen, doch die gesamtwirtschaftliche Lage wird diese Unternehmen nicht ewig zurückhalten. Daher sollten Investoren bereit sein, diese Technologieführer bei Rücksetzern günstig einzusammeln. Wenn sich dann noch der Handelsstreit entspannt, umso besser.