Der bessere Kauf: Toyota Motor vs. Volkswagen

Autoaktien sind wenig gefragt, wenn die Leute sich Sorgen um die Wirtschaft machen, so wie jetzt gerade. Die meisten Investoren wissen, dass Autoverkäufe zyklisch sind und mit dem Vertrauen der Verbraucher in die Wirtschaft steigen und fallen. Die Gewinne und die Aktien der Autobauer tun es ihnen gleich. Doch viele Investoren wissen genauso, dass man gute Schnäppchen machen kann, wenn man sich in ungeliebten Sektoren umsieht, so wie jetzt die Autobranche. Daher werden wir uns nun zwei globale Giganten, Toyota (WKN: 853510) und Volkswagen (WKN: 766400 und 766403) ansehen, um zu schauen, ob eine der beiden Aktien gerade attraktiv aussieht.

Bewertung und Aktienperformance

Viele Autoaktien, auch die von Toyota und Volkswagen, haben im vierten Quartal 2018 Verluste hinnehmen müssen, und beide haben sich seither stabilisiert. Doch während Volkswagens Aktie achterbahnartig hoch- und runtergeht, war Toyota etwas stabiler, zumindest bis vor Kurzem.

Und die Bewertung? Die historische Norm für Autoaktien ist in guten Zeiten ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 10. Im Moment wird Toyota mit einem KGV von 10,8 bewertet, wenn man die Gewinne der letzten zwölf Monate heranzieht, während dieser Wert für VW nur bei 6,3 liegt.

Beide Aktien sehen etwas günstiger aus, wenn wir die aktuellen Kurse mit den Gewinnerwartungen vergleichen, da Analysten bei beiden Unternehmen höhere Gewinne im laufenden Geschäftsjahr vorhersagen: Auf dieser Basis wird Toyota zu einem KGV von 8,9 gehandelt, während Volkswagen auf das 5,5-Fache seiner erwarteten Gewinne kommt.

In beiden Rechnungen liegt Volkswagen aus Value-Gesichtspunkten vorne.

Dividenden: Wie schneiden Toyota und Volkswagen ab?

Wie bei vielen japanischen Unternehmen endet das Geschäftsjahr auch bei Toyota am 31. März. Im letzten Geschäftsjahr wurden Dividenden von 220 Yen (2,05 Dollar) je Aktie gezahlt, so viel wie im Jahr zuvor. Das ergibt zum aktuellen Kurs eine Dividendenrendite von rund 3,2 %.

Volkswagen zahlt einmal im Jahr, nach der Hauptversammlung im Mai, eine Dividende. Die Dividende für die Stammaktien lag bei 4,80 Euro, mehr als die 3,90 Euro im Jahr 2018. Es ergibt sich eine Dividendenrendite von 3,2 %, die somit auf dem Niveau derer von Toyota liegt.

Wachstum und potenzielle Risiken

Toyota und Volkswagen sind in ihren Heimatmärkten Giganten – nicht nur, was die schiere Größe und die Umsätze angeht, sondern auch als Arbeitgeber.

Zum 30. Juni beschäftigte der Volkswagen-Konzern fast 292.000 Menschen in Deutschland, was ihn mit Abstand zum größten Arbeitgeber des Landes macht. Toyota kommt in Japan ein ähnlicher Status zu: 214.000 Menschen waren am 31. März in Japan bei Toyota beschäftigt, viele Tausend mehr arbeiten bei Unternehmen, die zur „Toyota Group“ zählen, einem lose zusammenhängenden Konglomerat, das viele führende Zulieferer des Autogiganten enthält.

Für das Risiko und das Wachstumspotenzial dieser Unternehmen hat das wichtige Implikationen: Als große Arbeitgeber genießen beide Unternehmen einen gewissen Schutz ihrer jeweiligen Heimatregierung – sie sind, wenn man so will, „too big to fail“. Doch dieser Schutz hat seinen Preis: Politischer Druck macht es den beiden Unternehmen schwer, in ihren Heimatländern Stellen abzubauen, auch (und vielleicht sogar besonders) während schwieriger wirtschaftlicher Lagen.

Für Investoren ist das nichts Halbes und nichts Ganzes: Beide Aktien sind wahrscheinlich etwas weniger volatil als die ihrer Mitbewerber, doch beide Unternehmen haben nur eingeschränkte Möglichkeiten, in ihren extrem wichtigen Heimatländern Kosten einzusparen. Beide Unternehmen arbeiten an Kostensenkungen, und beide hatten im letzten Jahr auch etwas Erfolg damit – doch weitere Verbesserungen dürften höchstens marginal und nicht besonders deutlich sein.

Mehr als jeder andere große Autohersteller hat sich Volkswagen des Wandels zur Elektromobilität angenommen: Es hofft, im Jahr 2025 drei Millionen batterieelektrische Fahrzeuge zu verkaufen. Die operative Marge soll in diesem Zeitraum, wenn alles gut geht, von 5,9 % im Jahr 2018 auf einen Wert zwischen 7 und 8 % steigen. Doch das Unternehmen wird Milliarden investieren müssen, um das zu schaffen.

Toyotas Plan ist im Vergleich eher inkrementell. Im Moment arbeitet der Konzern daran, die meisten seiner Autos auf eine antriebsformunabhängige, einheitliche Architektur umzustellen, was die Kosten reduzieren und die Flexibilität erhöhen soll. Währenddessen macht das Unternehmen kleine Investitionen in Elektroautotechnologie und Fahrassistenzsysteme. Das sieht nach einem konservativen Ansatz aus, und so ist es auch – doch die Geschichte Toyotas zeigt, dass das Unternehmen immer rechtzeitig die notwendigen Technologien parat hatte, um weiter im Wettbewerb zu bleiben.

Zusammengefasst: Beide Unternehmen machen hohe Investments in selbstfahrende Autos, alternative Mobilitätsservices und elektrische Antriebstechnologien. Beide werden sehr wahrscheinlich wettbewerbsfähig bleiben, während sich die Branche weiterentwickelt, doch es ist zu früh, um sagen zu können, wie all das über die Zeit die Gewinne beeinflussen wird.

Welches Unternehmen ist der bessere Kauf?

Toyota und Volkswagen haben tatsächlich viel gemein. Beide sind solide profitabel, werden momentan gut gemanagt (etwas konservativ vielleicht) und unternehmen die richtigen Schritte für die Zukunft.

Doch verweilende Probleme im Zusammenhang mit dem Dieselskandal haben Volkswagens Aktienkurs weiterhin im Griff, weshalb man hier mehr für sein Geld erhält. VW mag mit der Thematik und den Konsequenzen noch nicht komplett durch sein, doch das Unternehmen ist definitiv näher am Ende als am Anfang dieser leidigen Geschichte. Nun, da die erste Welle an Elektroautos auf die Straßen kommt, sieht die Zukunft wesentlich besser aus.

Es ist immer riskant, spät in einem Wirtschaftszyklus eine Autoaktie zu kaufen. Doch unter diesen beiden dürfte Volkswagen derzeit das bessere Investment sein.

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John Rosevear besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien. Dieser Artikel erschien am 9.10.2019 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.

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Author: John Rosevear, Motley Fool beitragender Investmentanalyst