Die Delivery-Hero-Aktie (WKN: A2E4K4) ist erst seit wenigen Monaten im DAX. Ein beachtlicher Erfolg für das Ex-Start-up aus Berlin.

Doch wie gewonnen, so zerronnen. Kann die angekündigte DAX-Reform den Traum von der ewigen DAX-Mitgliedschaft doch noch scheitern lassen?

Neue Regeln für einen neuen DAX

Der schnelle Fall des einstiges Wunderkinds Wirecard (WKN: 747206) scheint Spuren hinterlassen zu haben. Zwischen DAX-Aufstieg und Insolvenzantrag lagen kaum zwei Jahre.

Indexanbieter Stoxx möchte offenbar, dass sich ein derartiges Debakel nicht wiederholt. Ein paar Änderungen in den DAX-Regeln sollen es richten.

Unter den Vorschlägen befindet sich eine Regel zur fristgerechten Veröffentlichung von Finanzberichten. Halbjährliche statt jährliche Veränderungen der Indexzusammensetzung stehen ebenfalls zur Debatte. Der Vorschlag, künftig 40 statt 30 Aktien im DAX zu führen, dürfte ebenfalls große Wellen schlagen.

Aber damit nicht genug. Die Zusammensetzung könnte sich künftig ausschließlich an der Streubesitz-Marktkapitalisierung (auch Free-Float-Marktkapitalisierung genannt) orientieren. Der Börsenumsatz wäre dann als Kriterium hinfällig.

Auch die Art der Produkte könnte bald eine Rolle spielen. Unternehmen, die mehr 10 % ihrer Umsätze mit kontroversen Waffen erzielen, hätten dann womöglich schlechte Karten für eine DAX-Mitgliedschaft.

Pro und Contra DAX-Mitglied Delivery-Hero-Aktie

Ein Vorschlag, der insbesondere der Delivery-Hero-Aktie den Traum von der DAX-Mitgliedschaft verhageln könnte, ist der Nachweis der Profitabilität. Werden die Pläne von Indexanbieter Stoxx lückenlos in die Tat umgesetzt, müssen Unternehmen künftig vor einer Aufnahme in den DAX nachweisen, dass sie tatsächlich profitabel sind.

Ein Nachweis der Profitabilität wäre international nichts Ungewöhnliches. Im US-Index S&P 500 müssen Unternehmen vier aufeinanderfolgende Quartale profitabel sein, bevor eine Aufnahme genehmigt wird. Das ist mitunter auch ein Grund, warum Superaktie Tesla (WKN: A1CX3T) noch nicht in den heiligen Hallen der 500 US-Schwergewichte verweilt.

Die Delivery-Hero-Aktie wäre im Rahmen eines solchen Regelwerks nicht in den DAX aufgenommen worden. Zwar kann sich der Umsatz des Berliner Plattformers bisher sehen lassen. Doch profitabel ist das Geschäftsmodell noch lange nicht.

Geschadet hat das der Aktie nicht. Auf Sicht von einem Jahr steht die Delivery-Hero-Aktie um beinahe 150 % im Plus (Stand: 05.09.2020). Profitabel? Nein! Doch das Wachstum stimmt trotzdem.

Schnell wachsen, Marktanteile gewinnen, Plattform etablieren – bei Unternehmen mit Strategien dieser Art konnten Investoren bisher ganz gut ohne positives Ergebnis leben. Ehrlich gesagt könnte der DAX ein wenig mehr Wachstum ganz gut gebrauchen. Der DAX-Kursindex (der DAX, der die Dividenden nicht reinvestiert) steht jetzt ungefähr da, wo er 2007 schon einmal stand (Stand: 05.09.2020).

Andererseits kann ich die Indexanbieter verstehen. Nicht jede Wachstums-Story geht auf. Manchmal ist die Pleite näher als der langfristige Erfolg. Auch der typische DAX-Kunde ist womöglich nicht an einer wilden Achterbahnfahrt interessiert. Gefragt sind wohl eher ausgewachsene Elefanten, die zwar keine Purzelbäume mehr schlagen, aber dafür fest im Sattel sitzen.

Das Geschäft bleibt, wie es ist!

Nicht alles wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Doch alles in allem wirken die Vorschläge nicht wie eine kleine Anpassung am Regelwerk, sondern eher wie eine Revolution. Der zukünftige DAX könnte mit dem heutigen DAX schon bald nichts mehr gemeinsam haben.

Die Delivery-Hero-Aktie könnte ein Opfer der DAX-Reform sein, die bisher nur als „Marktkonsultation“ in Erscheinung getreten ist. In dessen Rahmen können sich die Marktteilnehmer bis zum 4. November 2020 zu den Vorschlägen äußern.

Als Delivery-Hero-Investor würde ich die Vorschläge allerdings nicht zum Anlass nehmen, jetzt alle Anteile direkt zu verkaufen. Ja, als DAX-Mitglied wird man einem breiten Publikum präsentiert und schwimmt mit auf der Index-Welle.

Doch selbst wenn die Delivery-Hero-Aktie aus dem DAX fliegt: An dem Geschäft ändert sich nichts – und das ist alles, was einen intelligenten Investor interessiert.

Die Delivery-Hero-Aktie könnte letztendlich sogar Glück im Unglück haben. Im S&P 500 dürfen bereits etablierte Mitglieder auch mal unprofitabel sein. Vielleicht ist die Delivery-Hero-Aktie gerade noch so reingerutscht.

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Stefan Naerger besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla.

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The Motley Fool
Author: Stefan Naerger, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

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