Die Kursgewinne am Cannabis-Markt haben sich buchstäblich in Rauch aufgelöst, was für ein Desaster! Der nordamerikanische Marihuana Index hat allein in den letzten drei Quartalen sage und schreibe fast zwei Drittel an Wert verloren. Während aktuell Ernüchterung vorherrscht, fragen sich smarte Investoren bereits, wann die nächste Welle startet.

Die Gründe des Pot-Blues

Es sind ganz unterschiedliche Dinge, die den Cannabis-Aktien nicht gutgetan haben. Primär geht es jedoch darum, dass die Nachfrageentwicklung nicht mit dem explodierenden Angebot mithalten konnte. Das wiederum lag unter anderem daran, dass regulatorische Hürden nicht so schnell gefallen sind wie erhofft. Im kanadischen Ontario konnten die Vertriebsnetze nur zögerlich ausgebaut werden und im US-amerikanischen Kalifornien wurden die Steuern so stark angehoben, dass die illegale Konkurrenz wieder auf dem Vormarsch ist.

Gleichzeitig tut sich auf der Bundesebene wenig, um die unübersichtliche Gesetzeslage zu entflechten, die derzeit von den einzelnen Bundesstaaten definiert wird. Und egal ob Trump, Biden oder Bloomberg die kommende Präsidentschaftswahl gewinnt, wird die Industrie nach Einschätzung meines US-Kollegen Sean Williams weiterhin mit Gegenwind aus Washington rechnen müssen.

Hinzu kommen hausgemachte Probleme, wie etwa der Anbau auf nicht genehmigten Flächen, übertriebene Heilsversprechen oder Qualitätsprobleme. Mittlerweile suchen viele Firmen ihr Heil in Fusionen und einer drastischen Kosteneindämmung. Geholfen hat es bisher nicht viel. Selbst Flaggschiffe wie Canopy Growth (WKN: A140QA) und Aurora Cannabis (WKN: A12GS7) haben massiv abgegeben, nachdem die erhoffte Gewinnschwelle in weite Ferne gerückt ist – was wiederum deren Großinvestoren in Bedrängnis bringt.

Vielen spekulativen Nebenwerten erging es noch schlimmer. Mit dem massiven Kursverfall kann man jedoch wohl bedenkenlos behaupten, dass sich das allgemeine Chancen-Risiko-Verhältnis bei Marihuana-Aktien verbessert hat. Aus Fantasiekursen sind Kurse mit gewisser Fantasie geworden. Das heißt jedoch nicht, dass ich heute groß einsteigen würde. Denn zuvor gilt es noch einiges zu bedenken.

Wie es in einem vergleichbaren Markt lief

Photovoltaik ist ein Markt, der von den Installationszahlen her geradezu explodiert ist über die letzten zwei Jahrzehnte. Trotz dieses Erfolgs lassen sich die Verlierer leichter finden als die großen Gewinner. Namen wie Solarfabrik, Solarworld und Ersol sind längst Geschichte und selbst die chinesischen Konzerne, die das Geschäft an sich gerissen haben, sind überwiegend nicht sonderlich profitabel.

Ähnlich sieht es in der Zulieferkette aus, wo beispielsweise der Polysilicone-Lieferant Wacker Chemie (WKN: WCH888) derzeit schwer zu kämpfen hat und der Wechselrichterchampion SMA Solar (WKN: A0DJ6J) aufgrund des Preiskampfes bislang nicht an frühere Glanzzeiten anknüpfen kann. Besser lief es zuletzt beim Rivalen SolarEdge (WKN: A14QVM). Am solidesten positioniert sind aber wohl die großen Solarparkbetreiber wie Encavis (WKN: 609500) oder NextEra Energy (WKN: A1CZ4H).

Wie Solarmodule wandeln auch Cannabis-Pflanzen auf großen Flächen Licht in Werte um. Sowohl beim Gras wie auch beim Sonnenstrom waren es am Anfang Träumer und Idealisten, die das Thema vorangetrieben haben, bis sich plötzlich überall der Regulierungsrahmen verbesserte und Big Business darauf aufmerksam wurde. Dann schossen überall neue Fabriken hoch, von denen viele einige Jahre später nach der ersten Welle wieder schließen mussten. Viele Parallelen also.

Daraus können wir schließen, dass ein schmerzhafter Konsolidierungsprozess, wie wir ihn bis heute in der Solarindustrie erleben, sich auch im Marihuana-Umfeld über längere Zeit hinziehen könnte, bis dann vielleicht ein mächtiger Plantagenbetreiber vom Format einer NextEra ein hochprofitables Geschäft aufzieht. Aus diesem Blickwinkel heraus besteht also keine Eile.

Aus den Unterschieden ergeben sich Chancen

Trotz der Parallelen sind auch deutliche Unterschiede zu erkennen. So produzieren alle Solaranlagen universellen Strom, während es bei Hanfplantagen deutliche Unterschiede gibt. Die einen adressieren mit unterschiedlichen Sorten, Pflanzenteilen und Extrakten den legalen Freizeitmarkt, während andere in Richtung Kosmetik und Pharma streben. Sie alle haben gewisse Möglichkeiten, um sich vom Wettbewerb zu differenzieren.

Die Erfolgsformel lautet daher, dass man die Skaleneffekte von NextEra mit der technischen Leistungsfähigkeit von SolarEdge und einer starken Marke verbindet. Gerade Letzteres lässt sich für Marihuana besser aufbauen als für Solarmodule. Beim Branding ähnelt Cannabis eher dem Kaffee – und dass einige der weltweit bekanntesten Marken über die letzten Dekaden im Kaffeeumfeld entstanden sind, spricht Bände. Starbucks (WKN: 884437), Senseo und Nespresso fallen mir auf die Schnelle ein.

Weitere Chancen ergeben sich im medizinischen Bereich, sobald die Wirksamkeit und Sicherheit der Derivate die internationalen Regulierer vollends überzeugen kann. Es spricht also vieles dafür, dass wir bis in zehn Jahren einen Cannabis-Giganten sehen werden, der nicht nur ambitionierte Pläne hat, sondern auch greifbare Gewinne generiert.

Eine geeignete Anlagestrategie könnte folglich darin bestehen, mit einem langen Zeithorizont langsam kleine Positionen in aussichtsreichen Kandidaten aufzubauen. So stellst du sicher, dass du partizipierst, sobald die nächste Marihuana-Welle Fahrt aufnimmt.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Starbucks. The Motley Fool empfiehlt NextEra Energy.

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Author: Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst