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5 Erkenntnisse aus dem Siemens-Bericht 2019

Siemens (WKN: 723610) hat seine Zahlen für das Fiskaljahr 2019 vorgelegt und die waren sehr ordentlich. Von Krise ist hier bisher nichts zu spüren. Ein paar Dinge sind mir bei der Durchsicht der Investorenunterlagen – vor allem positiv – aufgefallen.

Siemens dringt im globalen Software-Ranking immer weiter vor

Software regiert die Welt. Während andere heute hektisch große Entwicklerteams zusammentrommeln, ist Siemens bereits seit Langem dabei, ein leistungsfähiges Softwaregeschäft zu schmieden. Joe Kaeser hat seit seinem Amtsantritt noch mehr Gas gegeben bei diesem Thema und einige wegweisende Initiativen mutig vorangetrieben, darunter das Ausrollen der Industrie-4.0-Cloudumgebung MindSphere und die Komplettierung der industriellen Simulationssuite.

Mittlerweile macht schon allein das Softwaregeschäft der Sparte Digital Industries mehr als 4 Mrd. Euro Umsatz aus, davon 1,1 Mrd. Euro im vierten Quartal. Hinzu kommen die Digitalaktivitäten der anderen Bereiche wie etwa Mobility-as-a-Service oder die Healthcare Cloud.

Wenn man bedenkt, dass man die Anzahl an Unternehmen weltweit, die mehr als 10 Mrd. Euro Softwareumsatz machen, an einer Hand abzählen kann (je nach Definition vielleicht auch an zwei), dann liegt die Vermutung nahe, dass Siemens auf dem Sprung in die Top 10 ist, zumal der Konzern neben den großen Initiativen auch noch in viele kleinere Pflänzchen mit großem Potenzial investiert.

Gas & Power macht sich hübsch

Darauf haben Anleger lange gewartet: Trotz der weiterhin schwierigen Marktbedingungen im Energiegeschäft hat die Sparte Gas & Power ihre Margen verbessern können. Während im Vergleichsquartal 2018 noch operative Verluste aufgelaufen waren, sprang nun zumindest ein kleiner Gewinn heraus und auch das Gesamtjahr sieht etwas freundlicher aus. Der Hauptgrund liegt in den zurückgehenden Restrukturierungsaufwendungen.

Ein starker Auftragsaufgang, der im vierten Quartal 11 % über dem Vorjahreswert liegt, spricht auch dafür, dass ein weiterer Arbeitsplatzabbau kontraproduktiv wäre. Stabilisierend wirkt zudem das stetig wachsende Servicegeschäft, das ein Plus von 10 % aufweist. So wie es aussieht, wird die neu geformte Siemens Energy – in voraussichtlich etwa acht Monaten – durchaus mit breiter Brust an die Börse gehen können. Dass sich daraus noch ein „erheblicher Ertrag aus der Abspaltung“ ergeben soll, der die Bilanz aufpolstert, kann auch nicht schaden.

Mobility fährt wie auf Schienen

Während Digital Industries abseits des Softwaregeschäfts stagniert, weil Kunden aus der Automobil- und Werkzeugmaschinenindustrie sich mit Investitionen zurückhalten, kennt das Geschäft mit Schienenverkehrstechnik keine Konjunkturdellen. Die Auftragsbücher sind mit 33 Mrd. Euro auf Jahre hinaus gefüllt, die Margen hoch und das Wettbewerberumfeld stabil.

So wie es aussieht, kommt die Sparte ganz gut alleine zu Recht nach dem geplatzten Deal mit Alstom (WKN: A0F7BK). Trotzdem würde ich mal damit rechnen, dass das Management weiterhin strategische Optionen untersucht, um nach dem Börsengang von Siemens Energy die nächste große Abspaltung vorzubereiten. Wenn sich die aktuellen Investitionen in Cloudlösungen und digitalen Service bis dahin auszahlen, dann können sich Aktionäre auf eine weitere Freilegung von stillen Reserven freuen.

Die Portfoliobereinigung wird vorangetrieben

Ein regelmäßiger Kritikpunkt betraf die vielen versteckten Beteiligungen und kleineren Töchter, die keiner Sparte zugeordnet sind. Dort fielen nicht selten größere Verluste an, die das Gesamtergebnis belasteten. Zwei Geschäftsbereiche, zwei Joint-Venture-Anteile und die Mehrheitsbeteiligung an Siemens Gamesa (WKN: A0B5Z8) werden nun zu Siemens Energy verschoben und von der Minderheitsbeteiligung am Stahlwerksausrüster Primetals trennt man sich ganz.

So sieht das Portfolio deutlich aufgeräumter aus. Am spannendsten ist dabei sicherlich, was aus Valeo Siemens wird, einem der nach eigenen Aussagen am schnellsten wachsenden Automobilzulieferer überhaupt. Berichten zufolge will Valeo (WKN: 854052) das Geschäft komplett unter seine Fittiche bekommen. In diesem Fall sollte für Siemens ein guter Erlös zu erzielen sein.

Die Optimierungsprogramme gehen einfach immer weiter

Eine so mächtige Organisationsstruktur, wie Siemens sie hat, droht ständig irgendwo Fett anzusetzen. Deswegen befindet sich der Konzern eigentlich in einem kontinuierlichen Effizienzprogramm, wobei die Programme selbst dazu tendieren, Fett anzusetzen, und deshalb ebenfalls immer wieder erneuert werden.

So wurde nun das Kostenoptimierungsprogramm für die Sparte Digital Industries noch ein Stück beschleunigt, um einen Großteil der für 2023 vorgesehenen Einsparungen bereits 2021 zu erzielen. Besonders interessant ist dabei der Aspekt, dass das immer besser aufeinander abgestimmte und wachsende Softwareportfolio nun mit Hochdruck bei Siemens selbst zum Einsatz kommen soll. Daraus kann sich ein wunderbarer Wettbewerbsvorteil ergeben, denn kein Konkurrent wird über so umfassende Anwendungsdaten und kontinuierliches Nutzerfeedback verfügen.

Hier ist was los!

Siemens setzt auf allen Ebenen auf die Digitalisierung und die Erfolge zeigen sich nun auf vielen Ebenen. Dadurch ergeben sich neue Geschäftsfelder und traditionelle Bereiche werden in ihrer Wettbewerbsfähigkeit gestärkt.

Zudem kommt die wachsende Digitalkompetenz der Fertigungseffizienz zugute und schlankere Organisationsstrukturen erlaubt sie auch. Dass die geplanten Portfoliomaßnahmen daneben für logischere Strukturen sorgen werden, finde ich ebenfalls sehr löblich. Insgesamt gibt es also viel Positives zu berichten. Die zuletzt gute Performance der Aktie erscheint fundamental gut unterlegt.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von Siemens, Siemens Gamesa und Valeo. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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Author: Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

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