Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen, aber das aktuelle Geschäftsjahr 2019 war definitiv kein langweiliges Jahr für die Aktie des DAX-Frischlings Wirecard (WKN: 747206). Kurstechnisch ging es mal rauf und mal runter, es gab jedoch stets irgendwelche spannenden Neuigkeiten, die die Aktie in Bewegung versetzt haben.

Operativ lief es dabei weiterhin rund für den DAX-Konzern. Das aktuelle Geschäftsjahr 2019 hielt erneut stabile zweistellige Wachstumsraten im mittleren Bereich parat. Ein Wachstum, das zudem mit vielen und insbesondere prominenten Kooperationen gekrönt werden konnte. Hier existiert daher wenig Grund zum Meckern.

Es gab allerdings auch gewisse Dinge, bei denen Wirecard und die Verantwortlichen enttäuscht haben. Werfen wir im Folgenden einen Blick auf drei solche Negativmeilensteine und schauen einmal, was hätte besser laufen können.

1. Die Causa Wirecard

Eine erste enttäuschende Entwicklung ist bislang die Kursperformance, die der Zahlungsdienstleister an den Tag gelegt hat. Man mag es angesichts der nahenden Rekordhochs fast nicht glauben, aber die Wirecard-Aktie zählt definitiv zu den schlechteren Papieren, die unser heimischer Leitindex derzeit in sich trägt.

Die Aktie des Zahlungsdienstleisters startete schließlich auf einem Kursniveau von 134,50 Euro in das neue Börsenjahr, nun finden wir das Papier bei einem Kursniveau von 119,00 Euro (25.11.2019) wieder. Das entspricht einem Abschlag von fast 12 %, wobei unser heimischer Leitindex inzwischen deutlich zweistellig zulegen konnte.

Der Grund für diese durchwachsene Entwicklung ist natürlich schnell gefunden: Die „Financial Times“ hat ordentlich Bewegung in das Papier gebracht und bislang konnte Wirecard kein Fehlverhalten nachgewiesen werden. Entsprechend sollten wir den Verantwortlichen die miese Kursperformance nicht schlecht auslegen, nichtsdestoweniger existiert hier ein Aspekt, den wir dennoch thematisieren sollten. Und der im Kontext dieser Meldungen dennoch eine Enttäuschung war, die sich bis zuletzt durchgezogen hat.

2. Das miese Krisenmanagement

Eine zweite Sache, die in diesem Jahr nämlich gar nicht lief, war das Krisenmanagement des DAX-Konzerns. Bereits in der ersten Phase der Causa Wirecard, zum Anfang des Jahres, mussten sich die Verantwortlichen hier mangelnde Transparenz und fehlende Aufklärung nachsagen lassen. In Anbetracht der neuen DAX-Zugehörigkeit, des starken Wachstums der vergangenen Jahre und der Neuheit dieser Thematik mochte man damals möglicherweise noch sagen: Hey, ihr seid neu. Das passt schon, aber bessert euch.

Doch auch ein halbes Jahr später hat sich die Taktik der Verantwortlichen nicht gebessert, und für Transparenz und nachhaltige Aufklärung sämtlicher Vorwürfe und Defizite ist nicht gesorgt worden. Erst in diesen Wochen wurde bekannt, dass ein Testat im Singapur-Geschäft für das Geschäftsjahr 2017 gefehlt hat. Eine Tatsache, die gerade im Kontext der Causa Wirecard, die aus dem Singapur-Geschäft herrührte, die Marktteilnehmer interessiert hätte. Und wo eine proaktive Kommunikation die Situation womöglich im Vorfeld entschärft hätte.

Man kann natürlich sagen, dass für den Gesamtkonzern Wirecard auch der Gesamtabschluss und das Testat maßgeblich sein. Nichtsdestoweniger sind solche sensiblen Informationen und die eigene Kommunikation mit den Investoren ein wichtiger Schritt, um eine eigene Aufklärung zu leisten und Überraschungen zu vermeiden. Also, dringender Appell an dieser Stelle an das Management: Bessert euch, denn es steht viel Vertrauen auf dem Spiel. Gerade bei einem DAX-Konzern.

3. Der zögerliche Aktienrückkauf

Eine dritte Sache, die in den vergangenen Wochen verunsicherte, war außerdem das angekündigte Aktienrückkaufprogramm. Wirecard hat im Rahmen dieses Schrittes beschlossen, für rund 200 Mio. Euro Anteilsscheine des eigenen Unternehmens zu kaufen und einzuziehen, was prinzipiell natürlich ein aktionärsfreundlicher Schritt sein kann. Allerdings hat hier so mancher im Vorfeld definitiv mit einem größeren Volumen als dem gerechnet. Zumal der Zeitpunkt glücklicher nicht hätte sein können.

Das Management hat diesen Schritt schließlich verkündet, nachdem die „Financial Times“ in eine weitere Runde gegangen ist. Weitere finanzielle Mittel für eigene Aktien hätten somit nicht bloß die Effektivität dieser Maßnahme in Anbetracht der niedrigeren Kurse verstärkt, sondern auch ein stärkeres Zeichen gesetzt.

Gerade wenn die Volatilität zunimmt, hätte ein solches Zeichen der Zuversicht womöglich Wunder bewirkt. So hat das Volumen, auch in Anbetracht der im Vorfeld höheren Erwartungshaltung, eher zu einer weiteren Enttäuschung geführt. Wobei eine Investitionsthese natürlich nicht nur auf Aktienrückkäufen basieren sollte.

Das wichtigste Manko: Die Kommunikation

Über die durchwachsene Kursperformance und die eher marginalen Aktienrückkäufe können Investoren natürlich getrost hinwegsehen. Für die Kursperformance kann der Zahlungsdienstleister selbst schließlich nichts, zumal es operativ lief und auch die Aktienrückkäufe werden langfristig nicht entscheidend für den weiteren Verlauf sein.

Wo sich die Verantwortlichen jedoch auf die Hinterbeine stellen sollten, ist bei der Kommunikation. Ein solches Ärgernis muss definitiv nicht sein und kann viel schlechte Presse ersparen. Etwas mehr Weitsicht und Transparenz wäre hier daher wünschenswert, möglicherweise wäre das ja ein guter Vorsatz für das neue Börsenjahr.

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Vincent besitzt Aktien von Wirecard. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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Author: Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst